The Holocaust Historiography Project

NO-365

Translation:

Draft

The Reich Ministry
for the Occupied Eastern Territories

Berlin, October 25, 1941
 

Expert AGR Dr. Wetzel

Secret!

Re: Solution of the Jewish Question

1. To the Reich Commissar for the East

Re: Your report of October 4, 1941 in respect to the Solution of the Jewish Question

With reference to my letter of October 18, 1941, this is to inform you that Oberdienstleiter Brack of the Führer Chancellery has agreed to collaborate in the production of the required shelters and gassing devices. At this time, the envisaged devices are not available in sufficient quantity; they will first have to be manufactured. Since in Brack's opinion, the manufacture of the devices in the Reich will cause much greater difficulties than doing it on the spot, Brack considers it most expedient to send his people to Riga, especially his chemist Dr. Kallmeyer, who will effect all further steps there. Oberdienstleiter Brack points out that the procedure in question is not without danger, so that special protective measures are necessary. In these circumstances, I request that you address yourself to Oberdienstleiter Brack in the Führer Chancellery through your Higher SS and Police Leader and request the dispatch of the chemist Kallmeyer and other assistants. I should inform you that Sturmbannführer Eichmann, the expert for the Jewish Question in the RSHA is entirely in agreement with this process. According to information from Sturmbannführer Eichmann, camps for Jews are to be set up in Riga and Minsk, to which Jews from the Old Reich territory may also come. At this time, Jews are being evacuated out of the Old Reich to Litzmannstadt (Lodz), and also other camps, to then later be used for labour in the east insofar as they are capable of work.

As things now are, there are no objections if the Jews who are not capable of work, are eliminated with the Brackian remedy. In this way, events such as those that, according to a report in front of me, took place on the occasion of the shootings of the Jews in Vilna, and which, considering that the shootings were carried out in public, can hardly be excused, will no longer be possible. On the other hand, those capable of work will be transported for labour in the east. It goes without saying that the male and female Jews capable of work will be kept apart.

I request a report on your further measures.

Transcription:

Entwurf

Der Reichsminister
für die besetzten Ostgebiete

Berlin, den 25. Oktober 1941.

Sachbearbeiter AGR Dr. Wetzel

Geheim!

Betr.: Lösung der Judenfrage.

1. An den Reichskommissar für den Ostland

Betr.: Ihren Bericht vom 4.10.1941 bezüglich Lösung der Judenfrage

Unter Bezugnahme auf mein Schreiben vom 18.Okt. 1941 teile ich Ihnen mit, daß sich Oberdienstleiter Brack von der Kanzlei des Führers bereit erklärt hat, bei der Herstellung der erforderlichen Unterkünfte sowie der Vergasungsapparate mitzuwirken. Zur Zeit sind die in Betracht kommenden Apparate in genügender Anzahl nicht vorhanden, sie müssen erst hergestellt werden. Da nach Aufassung Bracks die Herstellung der Apparate im Reich viel größere Schwierigkeiten bereitet als am Ort und Stelle, hält es Brack für am zweckmäßigsten, wenn er umgehend seine Leute, insbesondere sein Chemiker Dr. Kallmayer nach Riga sendet, der dort alles weitere veranlassen wird. Oberdienstleiter Brack weist darauf hin, daß das in Betracht kommende Verfahren nicht ungefährlich ist, so daß insbesondere Schutzmaßnahmen erforderlich seien. Unter diesen Umständen bitte ich Sie, sich über Ihren Höheren SS- und Polizeiführer an Oberdienstleiter Brack in der Kanzlei des Führers zu wenden und um die Entsendung des Chemikers Kallmeyer sowie weitere Hilfskräfte zu bitten. Ich darf darauf hinweisen, daß Sturmbannführer Eichmann, der Sachbearbeiter für Judenfragen im RSHA durchaus mit diesem Verfahren einverstanden ist. Nach Mitteilung von Sturmbannführer Eichmann sollen in Riga und in Minsk Lager für Juden geschaffen werden, in die evtl. auch Juden aus dem Altreichgebeit kommen. Es werden zur Zeit aus dem Altreich Juden evakuiert, die nach Litzmannstadt, aber auch nach anderen Lagern kommen sollen, um dann später im Osten, soweit arbeitsfähig, in Arbeiteinsatz zu kommen.

Nach Sachlage bestehen keine Bedanken, wenn diejenigen Juden, die nicht arbeitsfähig sind, mit den Brackschen Hilfsmitteln beseitigt werden. Auf diese Weise dürften dann auch die Vorgänge, wie sie sich bei den Erschießungen der Juden in Wilna nach einem mir vorliegenden Bericht ergeben haben, und die auch im Hinblick darauf, daß die Erschießungen öffentlich vorgenommen wurden, kaum gebilligt werden können, nicht mehr möglich sein. Die Arbeitsfähigen dagegen werden zum Arbeitseinsatz nach Osten abtransportiert. Daß bei den arbeitsfähigen Juden Männer und Frauen getrennt zu halten sind, dürfte selbstverständlich sein.

Über Ihre weiteren maßnahmen erbitte ich Bericht.

Nuremberg document NO-365
NO-365, page 1
Nuremberg document NO-365
NO-365, page 2
Nuremberg document NO-365
NO-365 translation